Als wir im Mai 2010 den Abschluss unseres Segeltörns in der Bierstrasse feierten und wir unser erstes Bier in der Hand hielten, erinnerte ich mich wieder an einen Werbespot einer bekannten Brauerei, die zusammen mit dem WWF ein beispielloses Projekt zur Rettung des Urwaldes ins Leben gerufen hatte.
Auch wir waren damals von diesem Projekt sehr angetan und mir fiel prompt wieder unsere (natürlich nicht ernst gemeinte !) Geschichte von damals ein, die ich hier gerne mal erzählen will:


Nachdem wir den Werbespot einer bekannten Brauerei während einer Übertragung eines Fussballspieles gesehen hatten, erwachte in uns sofort der bisher tief im Innersten verborgen gewesene Naturfreund und Umweltschützer und so beschlossen wir, auch einen Beitrag zur Rettung der Urwälder beizutragen und schon während des Fussballübertragung damit anzufangen.

Während wir so mit der Rettung des einen oder anderen Meters Regenwald beschäftigt waren, kamen unsere Frauen zu unserer Runde hinzu. Natürlich interessierten sie sie nicht für den Fussball sondern eher für unsere Rettungsaktion für den Regenwald. Bei der dabei hitzig geführten Debatte mit ihnen machten wir vermutlich die gleiche Erfahrung, wie Tausende andere Umweltschützer vor uns auch: Wir stießen auf völliges Unverständnis. Der Urwald schien ihnen völlig egal, unser Engagement für die Natur und das Leben aller Menschen lehnten sie völlig ab. Sie wollten nicht verstehen, dass man eine so große Aktion wie die Rettung der Natur nicht aufschieben kann, ganz gleich, ob es erst Vormittag ist oder nicht.

Da sie in keinster Weise einsichtig waren und man(n) bereit sein muss, für die Vollbringung solcher Taten Opfer zu bringen, verließen wir kopfschüttelnd das Haus.

Niedergeschlagen, nein traurig, liefen wir zunächst ziellos umher. Angst beschlich unsere Gedanken, Angst um die Wälder. Verzweiflung machte sich tief in unserem Inneren breit, denn mit jeder verstrichenen Minute hätten wir wieder einige Quadratzentimeter unwiederbringlicher Natur retten können.

Die Angst schnürte unsere Kehle zu, die Verzweiflung ließ unseren Hals austrocknen.

Wie groß war da unsere Freude, als wir unerwartet auf eine Versammlung Gleichgesinnter Umweltaktivisten trafen. Wir erkannten sie sofort, denn als Zeichen ihrer Verbundenheit hielten sie alle eine Flasche Bier der besagten Brauerei in der Hand, die sie demonstrativ leerten.

Schnell nahmen sie uns in ihre Mitte auf und so erfuhren wir sehr bald, dass einige von ihnen sich bereits seit Jahren mit der Rettung ganzer Kontinente beschäftigen, unbeachtet von der Öffentlichkeit, genau hier, an diesem Ort! Wir bewunderten die Zeichen ihres teilweise jahrelangen Kampfes:

Die von den Entbehrungen ausgemergelten Körper, den Geruch nach Jahrtausende altem Urwaldboden in ihrer Wäsche, die mannigfaltigen Insekten die um ihre Köpfe schwirrten und wir übersahen auch nicht, dass sich einige beim Kampf um die Natur wohl ihre Zähne ausgebissen hatten.

Nachdem wir zusammen eine ungefähr tennisplatzgroßen Menge natürlichem Urwaldes gerettet hatten stellten wir fest, dass der Schutz und die Rettung der Umwelt ihren Tribut zollten. Durch das lange Stehen schmerzten unsere Füße, die Waden krampften, selbst die Zunge war durch die langen Debatten in ihrer Funktionsweise beeinträchtigt: Wir hatten immer größere Mühen beim Aussprechen der großen Buchstaben eines Satzes oder Wortes. Aus diesem Grund beschlossen wir, die Versammlung zu verlassen und machten uns auf die Suche nach weiteren Mitstreitern.

In einer Gaststätte ganz in der Nähe wurden wir dann auch sofort wieder fündig: Gut ein halbes Dutzend Umweltler hatten sich dort eingefunden und arbeiteten hier im Verborgenen an der Rettung der natürlichen Ressourcen. Schnell waren wir auch hier aufgenommen. Wir waren gerührt als der Wirt zu uns sagte: "Jungs, rettet den Urwald, wir zählen auf Euch", daraufhin orderten wir die 4. Lokalrunde um unsere Aktion voranzutreiben. Da die anderen Gäste darauf bestanden, neben dem Urwald auch zusätzlich Gebiete wie die Sahara, die Wüste Gobi und den Rheingau wieder aufzuforsten und somit auch den Aufbau des heimischen Waldbestandes zu unterstützen, blieb uns nichts anderes übrig, als zu der Runde noch Jägermeister zu ordern.

Ganz schwindlig war uns vor Stolz und Glück, als wir viel später die Kneipe verließen. Plötzlich sahen wir die Welt mit anderen Augen! Leicht verschwommen zwar, aber dafür sahen, nein fühlten wir, dass sich unsere gute Mutter Erde drehte. Nicht gleichmäßig und in eine Richtung, nein, es waren eher ruckartige Bewegungen in abwechselnde Richtungen.

Welch eine Erfahrung! Vor Glück taumelnd liefen wir zu unserem Auto und beschlossen, einen Demonstrationszug durch die Kneipen der Innenstadt durchzuführen, um die vielen anderen Menschen auf die Probleme aufmerksam zu machen.

So fuhren wir in Richtung Stadt und waren gerade einem Ozonloch ausgewichen als wir am Straßenrand einen Streifenwagen entdeckte.

Auf der Fahrbahn standen mehrere Polizisten und schauten in unsere Richtung. Sie mussten von unserem Vorhaben erfahren haben, denn sie hielten gezielt unser Fahrzeug an. Von Vorkontrollen bei Demonstrationen hatten wir ja bereits gehört, waren aber dennoch verwundert, wie schnell sich das rumgesprochen hatte.

Nachdem wir angehalten hatten und ausgestiegen waren, entschlossen wir uns zu einer spontanen Sitzblockade auf der Straße. Wenn wir im nachhinein darüber nachdenken, war es keine rationell erklärbare Aktion, eher ein Zwang unseres Unterbewusstseins. Wir saßen und unsere Körper weigerten sich, wieder aufzustehen. Uns widerfuhr das gleiche Schicksal wie Sitzblockierern in Brockdorf oder entlang der Castor - Strecke: Wir wurden durch die Polizisten weggetragen. Auch sie wollten den ernst der Lage nicht verstehen, obwohl wir sie immer wieder darüber aufklärten.

Später, auf dem Revier erschien dann endlich ein Vernünftiger Mensch in weiser Uniform. Er hörte sich unser Problem in aller Ruhe und sichtbar interessiert an und erklärte uns dann, dass er die Anzahl der von uns geretteten Bäume feststellen wolle. Wir hätten den Schutz der Umwelt quasi im Blut und er bräuchte aus diesem Grund etwas davon. Wir waren glücklich, diesen verständnisvollen Menschen getroffen zuhaben. Unser Engagement würde amtlich festgehalten und der Nachwelt erhalten! Dafür gaben wir ihm gerne unser Blut.

Wenig später befanden wir uns zu Fuß auf dem Weg nach Hause. Unseren Wagen hatten die netten Beamten behalten, damit er durch seine Abgase nicht alle unsere Bemühungen wieder zerstört, wie sie uns erklärten. Auch haben sie uns fest versprochen, nach dem Recyclingverfahren aus unseren Führerscheinen ein Flugblatt zur Unterstützung der Rettungsaktion zu machen.

Froh und mit der Gewissheit, etwas großartiges getan zu haben gingen wir dann glücklich nach Hause.

 
von einem unbekannten Autor eine nicht ganz ernst zunehmende Geschichte